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Konzeption des Projekts
Kooperation - Kooperation
Fußball – Kooperationsprojekt

Schule für Körperbehinderte Karlsbad - SC Neuburgweier

Konzeptionelle Grundlagen
Reflexion der bisherigen Erfahrungen

Das Kooperationsprojekt besteht seit Beginn des Schuljahrs 2004/05 und wurde nun im zweiten Projektjahr gestaltet.
Leitidee:
Ermöglichen gemeinsamer Erfahrungen von behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen. Realerfahrungen für behinderte Kinder und Jugendliche mit der „richtigen“ Fußballwelt ermöglichen für die sie sich – unabhängig von ihrer Behinderung - sehr interessieren.
Erfahrungen für Jugendfußballer eines Vereins ermöglichen, in denen neue Dimensionen des sozialen Miteinanders eingefordert werden und in denen die Sozialkompetenz erweitert werden kann.
Diese Leitidee wurde bisher beim Zusammenführen einer fußballinteressierten, ja fußballbegeisterten Gruppe von ca. 15 körperbehinderten Schülern der Schule für Körperbehinderte Karlsbad (SfK) und der D-Jugend des SC Neuburgweier (SCN) in folgenden Handlungsfeldern umgesetzt:
• Gemeinsames Training einmal monatlich in der Sporthalle der SfK
• Gemeinsame Teilnahme an fußballspezifischen „Events“ (z.B. Besuch Bundesligaspiel VfB Stuttgart – 1.FC Nürnberg / projektiert: Besuch Heimspiel KSC)
• Aktive Teilnahme der Bezugsgruppen an exponierten Veranstaltungen des Partners (Teilnahme SfK am Sportfest des SCN / Betreuung der „Torwand für alle“ durch den SCN beim Schulfest der SfK.

Das Zusammentreffen der beiden Gruppen assoziiert bei einer ersten Betrachtung mit Sicherheit ein ganzes Bündel an Problemkomponenten, die dann auch in der praktischen Umsetzung relevant wurden und auf die mit hoher Flexibilität und Problembewusstsein reagiert werden musste.
Dabei können folgende Problemfelder skizziert werden:
• Die Problematik der Heterogenität
Sie zeigt sich sowohl in der Relation der beiden Gruppen zueinander (v.a. motorische Voraussetzungen) als auch innerhalb der Gruppe der körperbehinderten Schüler selbst (v.a. motorische und mentale Voraussetzungen)
• Die Problematik der Kommunikation
(bei den körperbehinderten Kindern und Jugendlichen sind z.B. solche mit massiven Sprachproblemen)
• Die Problematik der sozialen Akzeptanz / der Beziehungsebene
Das „Anderssein“ ist vor allem für die nichtbehinderten Jugendfußballer eine große Herausforderung, da sie im Normalfall noch wenig Erfahrungen damit haben und ihr soziales Spektrum deutlich erweitern müssen.
• Die Problematik der unterschiedlichen Zielausrichtung / Motivation / der unterschiedlichen Interpretation des Wettbewerbsgedankens:
Jugendfußballer: Deutlich leistungsorientiert innerhalb Normenvorgabe, Punkte, Tabellen, Konkurrenz um Platz in der Mannschaft u.s.w. körperbehinderter Schüler: Ausschluss aus dem leistungsorientierten Handlungsfeld, Teilhabe an fußballspezifischen Inhalten vor allem über Medien oder im geschlossenen System Schule.
Der Einstieg in das Projekt war zunächst einmal geprägt von einer Erstbegegnung bei der sich alle Kinder und Jugendliche, die sich freiwillig gemeldet hatten, kennenlernen konnten. Dabei bekamen die Schüler der SfK zuerst die Gelegenheit, ihren Partnern vom SCN die körperbehindertenschule ganz konkret vorzustellen. Spätestens nach Selbstversuchen im Rollstuhl war das Eis gebrochen und die erste Befangenheit abgelegt. Dass im Training dann Fußballtechnik in vielen Situationen sofort funktionierte in anderen neu erfunden werden musste, zeigte sich in den ersten Übungseinheiten sehr deutlich, denn Partner für die Jugendfußballer waren Kinder und Jugendliche mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen – vom nur leicht gehbehinderten, verlangsamten Schüler bis zum Rollifahrer oder dem Kind, das sich in einem Gehgestell fortbewegt und nur mit großer Mühe eine Ausholbewegung realisieren kann. Somit kristallisierte sich sehr schnell eine grundlegende Anforderung an das gemeinsame Training heraus: Individuelle Möglichkeiten unterschiedlichster Art finden!
Grundlegende Organisationsform ist dafür das Partner/Paten-Prinzip, bei dem ein Jugendfußballer einen Schüler der SfK während des spezifischen Trainingsteils begleitet.
Die Trainingsinhalte werden vorher mit den Jugendtrainern und dem Sonderpädagogen abgesprochen. Überforderungen sollen vermieden, medizinisch-therapeutische Implikationen müssen dabei beachtet werden.
An das Einfühlungsvermögen der Jugendfußballer werden dabei enorme Anforderungen gestellt. Die kommunikativen Herausforderungen sind auf beiden Seiten groß – im Prozess des Projektverlaufs konnte aber sehr deutlich die Erfahrung gemacht werden, dass Barrieren abgebaut werden konnten und sich die Kommunikation deutlich differenziert hat (z.B. Geste / Handeln wo Sprache nicht weiterhilft / Reduzierung der Komplexität und Geschwindigkeit des Sprechens seitens der Jugendfußballer, mehr Bemühen um Verständlichkeit und Artikulation bei den körperbehinderten Schülern).
Im Bereich des Akzeptierens des „Andersseins“ mussten die Jugendfußballer mit Sicherheit die größte Entwicklung vollziehen, denn ihr Begriff des „Normalen“ wurde einer deutlichen Korrektur unterzogen. Aus der Insidergruppe gewohnte Hierarchien kamen an ihre Grenzen, neue Wertigkeiten konnten erfahren werden. Andere Spielregeln mussten ausgehandelt und akzeptiert, gewohnte Rollen im Spiel oft aufgegeben werden ( z.B. statt Vollstrecker: Nur Zuspieler …).
Die körperbehinderten Schüler mussten lernen, aus ihren motorischen Möglichkeiten das Beste zu machen, taktische Aspekte in ihr Spiel einfließen zu lassen und vor allem Spielsituationen zu akzeptieren, bei denen der „Behindertenbonus“ nicht im Vordergrund steht. Die erstaunliche und mutmachende Erfahrung im bisherigen Projektverlauf war vor allem die, dass das Miteinander im Bannkreis des Fußballs sich viel unkomplizierter gestaltet hat als dies zunächst erwartet werden konnte. Persönliche Begegnung, freundschaftliche Gesten und Zeichen des Wohlbefindens charakterisieren über weite Strecken die bisherigen gemeinsamen Aktionen. Das Rahmenthema Fußball ist hier sicherlich die große unverzichtbare Klammer. Es trägt mit seiner ureigenen Symbolik viel dazu bei, Begegnung zu stiften und gemeinsame Inhalte zu finden.
Eine große Herausforderung für die Zukunft wird sein, die Trainingseinheiten methodisch noch effizienter zu machen und mehr Transfer in den Bewegungsalltag der körperbehinderten Kinder und Jugendlichen zu erreichen, so dass die motorischen und spielspezifischen Fertigkeiten erweitert werden können. Ein noch intensiverer Einbezug der Jugendspieler in die Gestaltung und Planung von Trainingselementen und die gleichzeitige Erhöhung der Verantwortungsübernahme sind dabei für sie Herausforderung und Chance zugleich.
Neue Ideen bei der Gestaltung eines gemeinsamen Jahreshöhepunktes nehmen konkrete Gestalt an.
Eine Evaluation des Kooperationsprozesses wird in der Fortführung zunehmend interessanter und liegt im Interesse der beteiligten Partner. Erste, sehr interessante Erfahrungen in dieser Hinsicht konnten hier beim letzten Sportfest des SCN gemacht werden als die Schüler der SfK und die Jugendfußballer des SCN in Interviews ihre Meinung zum gemeinsamen Projekt äußerten.
15. 08. 06
L.Reisinger SfK Karlsbad

 

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